Grenzerfahrungen

Grenzerfahrungen - Menschen an der Oder-Neiße-Grenze

Wenn Oder und Neiße nicht gerade über die Ufer treten und es durch Überschwemmungen in die Tagesschau schaffen, ist die Grenzregion zu Polen für die meisten unbekanntes Land. Der Fotograf Bernd Cramer ist 3500 Kilometer entlang der beiden Flüsse gereist, ist in die Lebenswelt kleiner Orte eingetaucht und hat dem Lebensgefühl der Menschen nachgespürt. Er hat spannende deutsche Grenzerfahrungen und Entdeckungen gemacht: Die verschlafene Schönheit von Görlitz, die unerwarteten Neubaugebiete, die hohen Zäune in den Dörfern mit Schildern, auf denen steht: Vorsicht, bissiger Hund! Hinter den Zäunen hat er Menschen mit bewegten und unbewegten Leben gefunden. Entstanden ist eine Porträt-Reihe, die den Menschen tief in ihren Lebensalltag blickt, aber auch die vergessene Region am äußersten Rand von Deutschland porträtiert. 

Die Reihe zeigt den letzten Binnenfischer der Oder, den Museumsleiter einer „Dorfstube“ von 1915. Einen Melker, dessen Radius von der Weide bis zum Stall reicht, 365 Tage im Jahr. Die Porträts zeigen außergewöhnliche Persönlichkeiten und ganz normale Menschen, alle stolz, die meisten zufrieden mit ihrem Leben, das an Oder und Neiße langsam fließt. Die Geschichten sind geprägt von typisch ostdeutschen Brüchen und Wendungen und dem, was Orte wie Oderberg, Roggow und Niederfinow hergeben. 

„Grenzerfahrungen“ ist eine außergewöhnliche Reisegeschichte. Sie nähert sich dem vergessenen Deutschland über die Menschen, die dort leben, arbeiten und arbeitslos sind. Mit einem neugierigen, respektvollen Blick. 

Text: Michael Kraske